TPK

Der TPK-Kurs ist die größte Hürde im ersten Semester. TPK steht für Technisch-Propädeutischer-Kurs und der Name spricht Bände. Technisch steht für die praktisch-zahntechnische Seite des Kurses und Propädeutisch für die wissenschaftliche Einführung in die Zahnmedizin.

In dem Kurs müsst ihr 3 praktische Arbeiten anfertigen, für die ihr ein Testat erhält. Zusätzlich werdet ihr theoretisch geprüft zu den Themen, die mit der jeweiligen praktischen Arbeit verbunden sind. Am Ende des Kurses und bevor man den Schein erhält, habt ihr die Präpwoche.

1. praktische Arbeit

Die erste Arbeit kann man im Rückblick (aber nur im Rückblick!) als "niedlich" bezeichnen. Man gießt übergröße Backenzähne (Molaren und Prämolaren) aus und ein komplettes Gebiss aus Gips. Es liest sich leicht, doch versucht mal Gips ohne Blasen oder gar Micro- Blasen auszugießen per Hand. Das erfordert jede Menge Übung und hin und wieder Glück. 

Die Molaren werden bunt bemalt und auf dem Gebiss werden die Kontaktpunkte eingezeichnet. Doch malen allein reicht nicht, da man die Kontaktpunkte und die Okklusionsprinzipien (lernt ihr schon früh genug!) für das nächste Testat können muss.

Die folgende Arbeit ist schon kniffliger. Man artikuliert das Gipsmodell eines Gebisses in einen Artikulator und ersetzt fehlende Zähne des Gebisses (die man vorher weggefräst hat) mit Wachs. Die Form allein reicht nicht, auch die Kontaktpunkte müssen stimmen. An die Arbeit mit Wachs muss man sich erst gewöhnen. Das ist uns allen schwergefallen, aber wenn ihr zügig und sorgfältig arbeitet, werdet ihr auch diese Kunst meistern.

Danach darf man einen Zahn spiegelverkehrt aus Wachs schnitzen! Dieser wird dann später eingebettet und in Metall gegossen.

Die letzte Arbeit hingegen ist die schwierigste, weil es darum geht eine Interimsprothese herzustellen. Da werden viele Kenntnisse gefragt, die man im Kurs gelernt hat, mit Wachs und Kunststoff arbeiten und natürlich Klammern biegen. Für das Klammernbiegen ist eine Vorübung erforderlich, die man zu Hause machen darf. Man sollte damit früh genug anfangen, da dies recht schwierig ist und Vorraussetzung dafür ist, dass ihr mit der Prothesenarbeit beginnen dürft.

Bei der Vorübung müsst ihr einen Baum, eine Kirche und einen Kreis, welche sich jeder als Vorlage ausdrucken muss, mit einem Draht eben und deckend nachbiegen.

Danach werdet ihr euren Kommilitonen in den Mund schauen und einen Befund erheben, so wie ein richtiger Zahnarzt ;) Gegenseitige Abdrucknahmen stehen auch auf dem Programm, die ihr anschließend ebenfalls Blasenfrei in Gips ausgießen und noch nach bestimmten Richtlinien trimmen müsst.

Ein Haupttestat dauert um die 10 bis 15 Minuten, in denen ihr von den Kursassistenten über die jeweilige praktische Arbeit ausgefragt werdet. Hier in Kürze die Themen, die das jeweilige Haupttestat beinhaltet:

1. HT zur 1. praktischen Arbeit

1. Zahnaufbau + Aufbau von Pulpa, Schmelz & Dentin

2. Gemeinsame zahnmerkmale:

  • Wurzelmerkmal
  • Krümmungsmerkmal
  • Winkelmerkmal
  • Zahnhals (Schmelz-Zement-Grenze)
  • Anatomischer Äquator (Infra- und Suprawölbung)
  • Kronenflucht der UK-Backen- & Seitenzähne

3. Morphologie der einzelnen Zähne (besonders die der oberen zweiten Molaren 16 & 26 ) + Anzahl und Lage der Wurzeln

4. Gips:

  • Typen
  • Herstellungsmethoden
  • Handhabung
  • Reaktionsgleichung

5. Kontaktpunkte der 4 ausgegossen Riesen(prä-)mollies

2. HT zur 2. praktischen Arbeit

1. Wachse:

  • Arten, Einteilung
  • grundsätziche Eigenschaften + chemische Zusammensetzung
  • Anforderungen
  • Anwendug in de Zahnmedizin

2. Einbettmassen:

  • Indikation, Arten, Einteilung
  • Anforderungen
  • Eigenschaften (Hitzebeständigkeit, Porosität)
  • welche Einbettmasse mit welchem Metall
  • Vorteile / Nachteile der einzelnen Einbettmassen

3. Metalle:

  • Definition
  • Eigenschaften, Struktur als Materie
  • einzelne Elemente und deren Vorteile in der Verarbeitung + Biokompatibilität
  • Einteilung Edelmetalle / Nicht-Edelmetalle

4. Legierungen:

  • Definition
  • grundsätzliche Legierungen und deren Eisatz in der Zahnmedizin
  • homogene Mischkristalle
  • eutektische Gemische
  • Solidus- un Liquiduspunkt
  • E-Modul, Härte
  • Welche Metalle haben welche Aufgaben in einer Legierung?
    z.B. Platin für Feinkörnigkeit und Chrom für Korrosionsbeständigkeit
  • Gussfehler und damit verbundene Materialfehler
    z.B. zu dünner Gusskanal, Gussobjekt im Zentrum, zu schnelle Abkühlung, zu hohe Vorwärmtemperatur, gipsgebundene EBM für NEM-Legierungen, ...
  • Zusammensetzung Phantommetall

5. Löten: Definition, Lot, Temperatur, Vergleich zum Schweißen

6. Oberflächenbearbeitung

7. Kronen: Indikation, Arten, Einteilung

8. Kiefergelenk

9. Kaumuskulatur / akzessorische Muskulatur

10. Zahnreihen, Okklusionskurven, Bezugsebenen und -linien

11. Unterkieferbewegungen

12. Artikulatoren

3. HT zur 3. praktischen Arbeit

1.Kunststoffe:

  • Arten + Eigenschaften
  • Verarbeitung / Umgang / Politur
  • Zusammensetzung der im Kurs verwendeten Kunststoffe
  • Aufbau aus Monomeren / Erläuerung Polymer
  • warum ist das Monomer flüssig?
  • Verwendung in der Zahnmedizin

2. Klammern:

  • Arten, Einteilung, Klammeranteile
  • Verwendung in der Zahnmedizin
  • Vergleich gegossene / handgebogene Klammern
  • Spannungs-Dehnungs-Diagramm (ausführliche Erläuterung)
  • E-Modul, Hooksches Gesetz
  • Härte, Zugfestigkeit

3. Abformmaterialien:

  • Arten, Einteilung, Eigenschaften und Verwendungsgebiete
  • Anforderungen
  • Alginat - tiefergehend, chemische Zusammensetzung, Anwendungsgbiete, Lagerung
  • Silikone - Arten, chemische Zusammensetzung
  • Abformtechniken (ein-/zweiphasig, ein-/zweizeitig)

4. Hygienemaßnahmen:

  • eigene Hygiene (Schmuck, Händewaschen)
  • Desinfektion:
    - Instrumentenaufbereitung
    - Dauer
    - Konezentration
    - Wirkstoffe (angewandte Mittel im Kurs + Zusammensetzung)
    - worauf muss man vor jeder Behandlung achten?

In dieser Woche teilt ihr euch in 2 Gruppen, eine Vormittags und eine Nachmittags und geht runter in den Phantomsaal, wo ihr nicht Abformungen nehmt, sondern am Phantomkopf mit einem Schnellläufer (Bohrer) wie ein Zahnarzt Zähne beschleift! Aber keine Panik! Euer Patient ist aus Plastik und empfindet weder Furcht noch Schmerz. Das ist die erste richtige Aufgabe, die ihr nachher als Zahnarzt oft erledigen werdet. Also strengt euch an und beeilt euch um dann noch Zeit zu haben um zu üben, denn bis zum Phantom 1 werdet ihr kaum eine möglichkeit haben nocheinmal zu Präparieren. Zuerst werden ein paar Zähne extraoral, dh. nicht im Phantomkopf, präpariert. Wenn diese Hürde geschafft ist müsst ihr die Zähne innerhalb des Phantomkopfes präparieren, keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, das ihr das zum ersten mal macht. Wie das alles geht, werdet ihr kurz davor in Form einer Demo erfahren. Aber eine Erleichterung gibt es: ihr dürft die Nachbarzähne herausschrauben. :-)

Ganz am Ende des TPKs, wenn man alle Arbeiten angefertigt hat und auch die Präpwoche vorbei ist, muss man zusammen mit dem 5. Semester, die Phantom 2 gemacht haben, das Labor putzen. Meist an einem Freitag von 8 bis 11 uhr müssen dann alle Kursteilnehmer mit Schwamm, Spachtel, Lappen und Besen die Laboprräume zum glänzen bringen. Es ist nicht die netteste Aufgabe aber ohne sie bekommt ihr euren Schein nicht. Aber es herscht meist eine gute Stimmung weil alle wissen, dass sie es geschafft haben. :-)

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